Sandra Richter stellt sich mit ihrem Buch einem unbequemen Paradox: Es sind Erwachsene, die über Adultismus schreiben, debattieren und Fachtage zum Thema organisieren. Und während wir all das tun, bleiben wir Teil genau der Machtstruktur, die wir kritisieren. Doch statt dieses Dilemmas zu vertuschen oder glätten zu wollen, öffnet Sandra Richter es, indem sie Kinder zu Wort kommen lässt. Nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als Gegenstimmen, die unser erwachsenes pädagogisches Selbstverständnis infragestellen.
Für mich ist das kein Buch zum Abnicken, sondern eins, das da kratzt, wo wir uns als pädagogische Fachkräfte und/oder Eltern viel zu sicher fühlen. An unserer Haltung. An dem Anspruch, es gut zu meinen und nicht zu erkennen, dass “gut gemeint'” oft das Gegenteil von “gut” ist. Wer mit Kindern lebt und/oder arbeitet und bereit ist, sich irritieren zu lassen, sollte dieses Buch lesen. Nicht, um sich bestätigt zu fühlen, sondern um genauer hinzusehen. Nimm es ernst; das Thema Adultismus und auch dieses neue Buch zum Thema.